FOCUS: 45th Ohrider Sommer Festival in MazedonienSeit 1961 gibt es das Ohrider Sommer Festival am malerischen Ohridsee in Mazedonien. Dieses Jahr dauerte es fast sechs Wochen vom 12. Juli bis 20. August! Es ist kaum zu glauben: 1700 Künstler aus 45 Ländern wurden eingeladen. Es gab 65 Programme. Diese erstaunliche Leistung vollbrachte Festivalleiter Zoran Strizowski mit seinem Team, unterstützt vom Kulturministerium Mazedoniens. Kunstbegeisterte aus ganz Europa und Touristen waren von der Eröffnung begeistert: José Carreras sang Arien von u.a. Strauß, Donizetti, Léhar, Gounod und Mascagni. Die 8000 Karten für das Konzert in einer antiken Arena waren innerhalb von Stunden ausverkauft. Die Gala wurde vom Mazedonischen Fernsehen (MTV) live übertragen. Von den beeindruckenden Theatergastspielen seien nur einige erwähnt: Das griechische Ensemble des Universitätstheaters »Pammitis« überraschte mit der Lysistrata von Aristophanes. Richard III. und Timon von Athen in der mazedonischen Sprache (Nationaltheater Bitola) waren weitere Attraktionen. Es gab den Don Juan von Molière (Drama Theater Skopje). Aus Rußland kamen zwei wichtige Inszenierungen: Tschechows Kirschgarten (Kazan Staatstheater) und Brechts Baal aus Sankt Petersburg. Warum waren die russischen Inszenierungen so gut besucht? »Einfach zu erklären,« sagte Programmleiter Ilko Stefanowski. »Jeder mazedonische Intellektuelle weiß, daß durch die Ohrider Schule des Sankt Klements die kirillische Sprache entstanden ist, die später im 10. Jahrhundert mit Mönchen aus Ohrid nach Kiew kam.« Unter den 35 Kirchen Ohrids gilt Sankt Sophia aus dem 9. Jahrhundert als die schönste, die Wände geschmückt mit beeindruckenden Fresken. Hier wurde Shakespeares Richard III. aufgeführt und gefeiert. Hier hat der Chor »Glinka« unter der Leitung von W. Chernushenko russische Lieder von Rachmaninow und Tschaikowskij gesungen. Hier gab es für Staatsgäste und Sponsoren die Schlußveranstaltung: das Budapester Kammer Orchester spielte Mozart, Mendelssohn, Britten und Saint-Saens mit der georgischer Violinistin Liana Issakadze. Das Streichsextet der Münchner Philharmonie unter Sretan Krstich spielte Brahms, Dvorak und Strauß. Am »Deutschen Tag« des Festivals wurden Balladen von Schiller in deutscher Sprache gelesen, während durch einen »Beamer« die mazedonische Übersetzung auf einer kleinen Leinwand lief! Begeistert aufgenommen von den Zuhören, die den deutschen Sprachklang hören und gleichzeitig alles verstehen wollten. Auf eine besondere Art und Weise wurde das Ohrider Sommer Festival auch ein Ort der Versöhnung. Aus Sarajevo kam eine preisgekrönte Aufführung vom Kamerni Teater 55: Helwers Nacht des polnischen Dramatikers Ingmar Villquist (eigentlich: Jaroslaw Swierszcz), eine Inszenierung von Dino Mustafic. Es ist ein packendes Kammerspiel für zwei Personen und spielt in Deutschland während des Faschismus. Eine Mutter (gespielt von Mirjana Karanovic aus Serbien) versucht, ihren geistig behinderten Sohn (gespielt von Ermin Bravo aus Bosnien) vor den Nazis zu retten. Vergeblich. Sie muß ihn selbst umbringen, damit er nicht lebend in die Hände der Nazis fällt. Gefragt nach dem Budget für das 2005 Ohrider Sommer Festival, antwortete am Ende des Festivals ein müder, aber glücklicher Zoran Strizowski: »Wir mußten mit 500.000 Euros auskommen. Es gab schon Probleme. Irgendwie mußten ja zirka 1700 Künstler über Wochen untergebracht werden.« Dann fügte er hinzu: »Natürlich ist das Ohrider Sommer Festival hauptsächlich eine Unternehmung der Regierung. Aber großten Dank gilt den 50 Sponsoren. Man kann diese Unterstützung von Fluglinien, von Computerfirmen, von Restaurants, von Hotels, usw. nicht hoch genug schätzen.« Auch Partner aus Deutschland waren hilfreich: Volker Marwitz, der Leiter von Goethe-Institut Belgrad und Matthias Vollert, der für kulturelle Angelegenheiten bei der deutschen Botschaft in Skopje verantwortlich ist.
Ron Holloway
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